Magazin erwachsenenbildung.at (Jun 2024)

Wissenschaftsskepsis als doppelte Ausschlusserfahrung während der Corona-Pandemie. Eine bildungssoziologisch-politikwissenschaftliche Perspektive mit Pierre Bourdieu

  • Lukas Hofmann

Journal volume & issue
Vol. 18, no. 52
pp. 44 – 55

Abstract

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Der Beitrag erklärt, basierend auf der Theorie Pierre Bourdieus, den empirisch belegbaren Zusammenhang zwischen formal niedrigem Bildungsabschluss, Misstrauen gegen die Wissenschaft und dem Wählen von sich als „wissenschaftsskeptisch“ inszenierenden Parteien. Grundlage dafür ist zum einen eine doppelte Lesart Bourdieus, die einerseits orthodox bildungssoziologisch und andererseits politisch erfolgt, zum anderen sind es empirische Daten zum sich wandelnden Vertrauen in die Wissenschaft vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie im Zeitraum 2018 bis 2023 in Deutschland. Der Autor zeigt auf, dass sowohl die Wissenschaft als auch die Politik Ausschlussmechanismen aufweisen, die Personen mit niedriger formaler Bildung benachteiligen. Außerdem sei im Zuge der Corona-Pandemie der Wechselkurs zwischen wissenschaftlichem und politischem Kapital gestiegen, was bedeute, dass Personen mit ersterem mehr politische Macht erhielten. Das Zusammenwirken dieser Ausschlussmechanismen trägt dazu bei, dass sich Personen als wissenschaftsskeptisch positionieren. Daraus ergeben sich Konsequenzen für Bildungspraxis und Politik, die der Autor beschreibt und durch erste Überlegungen zu Handlungsbedarfen ergänzt. (Red.)

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