GMS German Medical Science (Apr 2025)

Medizinische Labordiagnostik in Deutschland – ein Statusbericht 2024

  • Vogeser, Michael,
  • Schumacher, Timo,
  • Bühling, Frank

DOI
https://doi.org/10.3205/000337
Journal volume & issue
Vol. 23
p. Doc01

Abstract

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Hintergrund und Ziel der Arbeit: Labordiagnostik (In-vitro-Diagnostik, IVD) ist eine der wesentlichen Säulen der evidenzbasierten medizinischen Versorgung; für viele medizinische Bereiche – wie beispielsweise die Endokrinologie – sind Laboruntersuchungen konditional, jedoch für kein Fach verzichtbar. Die Mehrzahl der Diagnosen kann nur unter Berücksichtigung von Laboruntersuchungen zuverlässig gestellt werden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, im Sinne grundlegender Versorgungsforschung insbesondere auf Basis öffentlich zugänglicher Daten die Versorgung der Bevölkerung in Deutschland mit IVD in einer Gesamtschau zu beschreiben und Entwicklungsperspektiven zu diskutieren. Methoden: Hierfür wurden insbesondere die Gesundheitsberichterstattung des Bundes und des Statistischen Bundesamtes, das Arztregister der Bundesärztekammer sowie Daten der Kassenärztlichen Vereinigungen ausgewertet, zudem eine große Zahl von öffentlich zugänglichen Informationen von Verbänden und medizinischen Institutionen. Ergebnisse: Die Versorgung mit Laborleistungen erfolgt in Deutschland stark zwischen den Sektoren verzahnt durch niedergelassene Laborärzte, in stationären Einrichtungen sowie auch direkt in den Praxen und medizinischen Versorgungszentren (MVZs) anderer Facharztgruppen. Derzeit sind ca. 1.200 Fachärztinnen und Fachärzte für Labormedizin und 840 Fachärztinnen und Fachärzte für Mikrobiologie tätig, was zusammen ca. 0,7% aller Fachärzte entspricht. Etwa 2/3 der Laborärztinnen und Laborärzte sind im niedergelassenen Bereich tätig. Nach der Gruppe der Allgemeinmediziner sind die Laborärztinnen und Laborärzte – als Vertreter eines nicht-kurativen Fachs – die am zweithäufigsten konsultierte Arztgruppe in Deutschland. Insgesamt arbeiten etwa 108.000 Personen in medizinischen Laboratorien (1,8% des gesamten Gesundheitspersonals). Die jährlichen Ausgaben für Labordiagnostik liegen bei etwa 150 Euro pro Kopf, in der Summe bei ca. 12,9 Mrd. Euro jährlich, was ca. 2,6% der gesamten Kosten des deutschen Gesundheitswesens entspricht. Noch ca. 17% der Kliniken – überwiegend Maximalversorger – verfügen über eine eigene Laborinfrastruktur, während die Mehrzahl der Kliniken aus dem niedergelassenen laborärztlichen Bereich mit Laborleistungen versorgt wird. In diesem Bereich realisieren mittlerweile überwiegend recht große labormedizinische Einheiten auf Basis einer komplexen Logistik- und Dateninfrastruktur die flächendeckende Versorgung mit Laboruntersuchungen, die von patientennaher Labordiagnostik in Praxen und Medizinischen Versorgungszentren unterschiedlicher Disziplinen flankiert wird. Schlussfolgerung: Aus öffentlich zugänglichen Quellen kann ein recht umfassendes Bild der Versorgung mit Laborleistungen in Deutschland gewonnen werden. Die Labordiagnostik stellt ein wesentliches und effizientes, systemrelevantes Element des deutschen Gesundheitswesens dar, bei dem eine relativ gesehen kleine Anzahl von Fachärztinnen und Fachärzten sowie medizinischen Fachkräften eine große Verantwortung für die Aufrechterhaltung einer angemessenen Versorgung trägt.

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