<em>déinauti</em>, la. <em>dĩvelêt </em>ir jų giminaičiai

Baltistica. 2011;8(2):119-131 DOI 10.15388/baltistica.8.2.1784

 

Journal Homepage

Journal Title: Baltistica

ISSN: 0132-6503 (Print); 2345-0045 (Online)

Publisher: Vilnius University

LCC Subject Category: Language and Literature: Philology. Linguistics

Country of publisher: Lithuania

Language of fulltext: German, Lithuanian, French, Latvian, English, Russian

Full-text formats available: PDF

 

AUTHORS

Vincas Urbutis

EDITORIAL INFORMATION

Double blind peer review

Editorial Board

Instructions for authors

Time From Submission to Publication: 18 weeks

 

Abstract | Full Text

<p><strong>LIT. <em>déinauti, </em>LETT. <em>dĩvelêt </em>UND IHRE VERWANDTEN</strong></p><p><em>Zusammenfassung</em></p><p>Der Artikel behandelt vor allem einige solche baltische Wörter, die noch keine etymologische Erklärung gefunden haben.</p><p>Lit. (žem.) <em>déinauti </em>„den Hof machen, flirten, schmeicheln, locken“ ist von <em>déina </em>„Ge­fälligkeit, Schmeichelei; (Subst, comm.) wer schmeichelt, den Hof macht“ abgeleitet, das letztere ist wieder mit dem Suffix <em>-na </em>von Verb <em>* díeti </em>(Präs. 3. <em>*díeja, </em>ältere und žem. Form <em>*dẽja; </em>Prät. 3. <em>*díejo, </em>ältere <em>*dė́jo) </em>= lett. <em>diêt </em>(Präs. 1. <em>deju) </em>„hüpfen, tanzen (auch singen)“. Zur Wort­bildung vgl. lit. <em>gleinà </em>„wer sudelt- schmiert“ : <em>gliẽti (gliẽja/glẽja) </em>„schmieren, kleben, verkitten“ (im Lett. gibt es <em>deinis </em>“Tänzer, Springer”). In den baltischen Sprachen werden die Wörter des Bedeutungsfeldes „hüpfen, springen, tanzen“ oft in der Bedeutung „den Hof machen, schön tun, sich einschmeicheln“ gebraucht (vgl. auf beiderlei Art gebräuchliche lit. <em>šokinė́ti, </em>lett. <em>l</em><em>ȩ̃</em><em>kât, lakstuôtiês, lakstîtiês, </em>lie. <em>tū́pčioti, tupinė́ti, tupikáuti, kulnùs raitýti).</em></p><p>Zu derselben Wortfamilie gehören lett. <em>dĩvelêt </em>„(wiederholt) reißen, quälen, peinigen; schüt­teln, schaukeln; bewegen; sich abarbeiten lassen; viel beschäftigen (arbeiten lassen), viel benu­tzen; abplagen; unruhig sein, sich unruhig gebärden“ (in letzter Bedeutung besonders das Reflexivum), <em>dīvelis, dīvele, divelnieks </em>„ein unruhiger Mensch“ (vgl. semantisch sehr nahes lett. <em>dai</em><em>ņ</em><em>a, dīdaļa, dīduoņa, dīža </em>„ein unruhiger, unbändiger Mensch“), lit. (Zern.) <em>nu-dỹvelioti </em>„ermüden, abhetzen, abplagen“, <em>pri-dỹvelioti </em>„verprügeln“. In bezug auf die Form (besonders auf -<em>v</em>-) vgl. lett. <em>glīve, glīvēt, </em>lit. <em>gléivės </em>(seit. <em>glyvas), gleivė́ti, gleivýti </em>neben lit. <em>gliẽti.</em></p>Zusammen mit den früher etymologisch nicht erklärten Wörtern wird der Überblick über die anderen Verwandten von lett. <em>diêt </em>gegeben. Nebenbei werden zusätzliche Argumente für die Zugehörigkeit von lit. <em>dejà </em>„(Subst.) Jammern, Wehklage, Unglück, Elend; (Interj.) leider, schade, ach“, <em>dainà </em>„Lied“ und manchen anderen Wörtern zu dieser Wortfamilie (idg. <em>*deǝ- </em>„sich schnell (herum) bewegen, herumwirbeln, tanzen“) angeführt.